Carmina Burana Heute

Dienstag, 28. März 2017

Musik aus der Bendiktbeurischen Handschrift des 13. Jahrhunderts (Bayerische Staatsbibliothek)

Im Konzert Carmina Burana heute spielen wir Repertoire der wandernden Scholaren, changierend zwischen Ernsthaftigkeit und Spott, Respektlosigkeit und Respekt gegenüber antikem Wissen, Amtskirche, Religiösität. Die Hauptsprache der Carmina Burana ist Latein mit gelegentlich mittelhochdeutschen Strophen und sehr selten auch altfranzösischen Ausdrücken. Es ist das Repertoire einer im 13. Jh. teilweise schon vergangenen Epoche. Frauenlieder (vor allem Liebesklagen) spielen eine zwar zahlenmäßig geringe aber inhaltlich nicht unbedeutende Rolle. Sie bilden im heutigen Programm einen Fokus.

Der thematische Fokus des Konzertes liegt auf Frühlingsgesängen, Minneliedern,
Protestgesängen gegen Korruption, Geiz und Gier im Klerus und bei den Herrschenden.

Die Musik in den Handschriften der Carmina Burana ist nur teilweise – bei knapp einem Fünftel der ca. 250 Texte – in linienlosen Neumen als einstimmiger Gesang notiert. Dies ist eine frühe, archaische Form der Choralnotation, welche zur Zeit der Niederschrift um 1230 schon sehr veraltet war und für sich alleine genommen keine genaue Transkription ermöglicht, sondern nur ungefähre Anhaltspunkte des Melodieverlaufs bietet.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als Orff sein Opus Magnum ausschließlich auf Texte der Carmina Burana komponierte, hatte der Prozess der musikwissenschaftlichen Erschließung der mittelalterlichen Handschrift noch nicht ernsthaft eingesetzt bis auf allereste Mutmaßungen in den 20ern. Die linienlos aufgeschriebenen Neumen galten zu Beginn des 20. Jahrhunderts schlicht als nicht entzifferbar. Die Carmina Burana wurde primär als eine Sammlung von Liedtexten angesehen, deren Melodien verloren gegangen waren. Dies änderte sich schlagartig in der Nachkriegszeit ab den 50ern mit den bahnbrechenden Untersuchungen und ersten Transkriptionen aus Parallelhandschriften durch Hilka/Schumann sowie durch musikalische Umsetzungen u.a. durch das Studio der Frühen Musik oder das Clemencic Consort. Die Arbeit dieser Pioniere ist nicht hoch genug zu schätzen.

Manche der Gesänge der Sammlung werden jedoch von ihrer Melodik her für immer unerforscht bleiben, da nur der Text überliefert ist und ansonsten keine weiteren Hinweise auf eine musikalische Umsetzung vorhanden sind. Das heißt aber nicht, dass man sie nicht aus dem Blickwinkel der Aktuellen Musik unserer Tage ganz neuartig und völlig frei umsetzen könnte, wie Orff es seinerzeit ja auch getan hat. Während wir bei den meisten Stücken des Programms unter Anwendung verschiedener Methoden tatsächlich auf eine original mittelalterliche Melodie im Hintergrund stießen, werden wir doch bei dem ein oder anderen Stück eine völlige Neukomposition anbieten.

Es ist also sowohl angestrebt, sich dem Aspekt der historisch authentischen Aufführungspraxis mit einer besonderen Sorgfalt und Hingabe zu widmen, als auch eine völlig freie Klangwelt dieser streng mittelalterlichen Musik gegenüberzustellen. In diesem Sinne sind auch die Neue Musik- Intermezzi von Ehsan Ebrahimi zu verstehen, welche extra für Carmina Burna heute geschrieben wurden und einen der wichtigen Beiträge vom Ensemble mixtura darstellen.

 

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