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Termine

Carmina Burana Heute

Donnerstag, 30. März 2017, 20:00 Uhr

Programm

Musik aus der Benediktbeurer Handschrift in Begegnung mit Neuer Musik
Ein Gemeinschaftsprojekt der Ensembles „Mixtura“ und „Candens Lilium“

Mitwirkende

Mixtura:
Katharina Bäuml – Schalmei
Margit Kern – Akkordeon

 

Candens Lilium:
Sabine Lutzenberger – Gesang
Albrecht Maurer – Gotische Fidel, Rebec, Viola
Norbert Rodenkirchen – historische Traversflöten, Altflöte / Konzept und Organisation

Veranstaltungsort

Friedenskirche, Rothehausstraße 54a, 50823 Köln

Eintrittspreise

20/12 €

Karten bei Köln Ticket 0221 2801, www.koelnticket.de
und allen angeschlossenen Vorverkaufsstellen
sowie über die ZAMUS-Servicehotline: 0221 98747379
oder: tickets@zamus.de

 

Carmina burana heute - Begehren und Aufbegehren – ist eine musikalische Assemblage aus mittelalterlich originalen Kompositionen der Benediktbeurischen Handschrift von ca. 1230 (vom Mittelalterexperten Norbert Rodenkirchen für dieses Projekt aus der alten Neumenschrift transkribiert und für die Praxis neu eingerichtet) und Neuer Musik. Die Originalgesänge werden in historischer Aufführungspraxis als einstimmige Gesänge mit heterophoner Begleitung auf mittelalterlichem Instrumentarium vorgetragen. Gleichzeitig werden archaisch - moderne Improvisationen zu hören sein sowie Arrangements einiger bekannter mehrstimmiger Werke des Mittelalters, welche zu den einstimmigen Fassungen in der Originalhandschrift der Carmina Burana in engstem Verwandtschaftsverhältnis stehen. Hierbei kommen neben historischen Instrumenten wie Schalmei, Traversflöte, Fidel, Harfe u.a. auch moderne Instrumente zum Einsatz, zB Akkordeon und Viola. Ebenso geht es im Programm um einen intensiven Klangdialog mit dem modernen Komponisten Ehsan Ebrahimi, der eigens für das Projekt faszinierende Intermezzi komponierte.

 

Dem Festivalmotto „Greatest Hits“ entsprechend werden sowohl die populärsten Musikstücke der Original - Handschrift als auch überaus seltene Raritäten zu hören sein, die teilweise heute zum ersten Mal seit dem Mittelalter wieder erklingen. Thematisch rankt sich die getroffene Textauswahl um frühlingshaftes „Begehren“ und Liebeskummer sowie um jugendliches „Aufbegehren“ gegen Korruption und Gier bei den Herrschenden und beim Klerus.

 

Die Frage, ob die Carmina Burana eine musikalische Hitparade des 12. und 13. Jahrhunderts oder aber vielleicht eher ein mittelalterliches Raritätenkabinett abbilden muss erst einmal offen bleiben. Aber auch die klingende Musik kann ja eine Antwort sein, oder gar Antwort und Frage gleichzeitig. Zweifelsohne enthält das Manuskript viele erlesene Meisterwerke mittelalterlicher Dichtkunst und melodischer Erfindung, welche von Carl Orff gar nicht beachtet wurden, weil die Handschrift zu seiner Zeit musikwissenschaftlich noch kaum erschlossen war.

 

Die immense Popularität und künstlerische Originalität der Carmina Burana Carl Orffs als ein großartiges Hauptwerk der Musik des frühen 20. Jh.s ist sowohl inspirierend für eine Auseinandersetzung mit den mittelalterlichen Originalgesängen als auch extrem hinderlich. Die Berühmtheit der Orffschen Kantate versperrt den Blick auf den außerordentlich hohen Wert der ursprünglichen Musik in der Benediktbeurischen Handschrift. Dies ist auch der Grund, warum CARMINA BURANA HEUTE beim ZAMUS Fest der alten Musik 2017 komplett frei von Orff – Zitaten bleiben wird

 

 

In mixtura realisieren die Schalmeispielerin Katharina Bäuml und die Akkordeonistin Margit Kern seit 2010 gemeinsam Projekte, in denen sich Komponisten und Sprachen weit auseinander liegender Zeiten begegnen. Kompositionen des Mittelalter und der frühen Neuzeit treten in Dialog mit modernen Arbeiten. Dieses Spannungsfeld führt zu neuen Hörerlebnissen in beiden Welten. Zahlreiche Komponisten schrieben mehr als zwanzig neue Werke für die bislang einmalige Besetzung von mixtura. Es gibt eine rege Zusammenarbeit mit Rundfunkanstalten. Seit 2011 erschienen die CDs „Miniatures“, „Archipel Machaut“ und „Sibylla“. Im Herbst 2017 wird das iranisch – deutsche Kooperationsprojekt „Ecco la Primavera“ folgen.


Katharina Bäuml wurde geboren in München. Die studierte Oboistin ist eine der international  gefragtesten Schalmeispezialistin und gilt als eine der Besten in ihrem Fach. Sie leitet die Formation „Capella de la Torre“, die sich auf die Wiederentdeckung und Verlebendigung der europäischen Renaissance konzentriert und 2016 den ECHO Klassik als „Ensemble des Jahres“ erhielt. Sie initiiert zudem Begegnungen zwischen Alter und Neuer Musik sowie Jazz.


Margit Kern aufgewachsen in der Nähe von Darmstadt, studierte Akkordeon in Helsinki. Sie ist ein der führenden Akkordeonvirtuosinnen in der Neuen Musik und konzertiert mit Solo-Recitals und als Kammermusikerin, sowie als Gast bei so renommierten Ensembles wie der musikFabrik NRW und dem Ensemble Modern. Eine rege Zusammenarbeit verbindet sie mit zahlreichen zeitgenössischen Komponisten, deren Werke sie uraufführt. Seit 2005 veröffentlichte sie drei Solo-CDs „Heart“, „TWO“ und „mirror“. Margit Kern lebt und arbeitet in Hannover und lehrt zudem als Honorarprofessorin an der Hochschule für Künste, Bremen.

Candens Lilium ist ein projektorientiertes Ensemble in variabler Besetzung, welches aus der langjährigen Arbeit Norbert Rodenkirchens als künstlerischer Leiter der Schnütgen-Konzerte bis 2011 hervorging. Candens Lilium (hell strahlende Lilie) befasste sich ursprünglich ausschließlich mit der mittelalterlichen Musik des Rheinlands („Annolied“ etc.) veröffentlichte die vielbeachtete CD „Virgo sancta Caecilia“. Seit 2017 gibt es nun mehrere neue Projekte, in denen das Ensemble den Faden wieder aufgreift und diesmal den Schwerpunkt auf den Klangdialog zwischen Mittelalter und Heute setzt.


Sabine Lutzenberger ist international eine der renommiertesten und gefragtesten Sängerinnen für alte Musik zwischen Mittelalter und Barock und zunehmend auch im Bereich der Neuen Musik gefragt. Sie sang u.a. mit Mala Punica, Huelgas Ensemble, Sequentia, Ensemble für Frühe Musik Augsburg sowie in ihrem eigenen Ensemble „Per-sonat“. Mit Norbert Rodenkirchen verbindet sie eine langjährige Duoarbeit, welche vor allem einen Fokus auf das mittelalterliche Repertoire von Heinrich von Meißen/Frauenlob setzt. Zusätzlich ist sie seit vielen Jahren eine der tragenden Säulen in den Programmen von Candens Lilium.


Der vielseitige Violinist und Fidelvirtuose Albrecht Maurer aus Köln ist ein künstlerischer Wanderer zwischen den Welten und bringt aus den entlegensten Winkeln seiner Klangreisen überraschend neue Erkenntnisse für die jeweils anderen Bereiche mit. So ist er eine feste Größe in der NRW Jazzszene, welche ja bekanntermaßen weltweit vernetzt und aktiv ist. Aber ebenso hat er sich mit seinem außergewöhnlichen, durch hohes Improvisationstalent geformten Fidelklang eine außerordentliche Position in der Szene für mittelalterliche Musik erworben. Er ist langjähriges Mitglied des weltweit aktiven Pariser Ensembles Dialogos unter Katarina Livljanic, arbeitet regelmäßig im Duo mit Norbert Rodenkirchen, aber ebenso mit Bois de Cologne, Maria Jonas sowie verschiedenen anderen renommierten Partnern in der Szene für mittelalterliche Musik und darüber hinaus.


Norbert Rodenkirchen widmet sich seit gut 25 Jahren dem künstlerischen Dialog zwischen altem und neuem Klang, zwischen Mittelalter und Gegenwart. Einerseits hat er sich als Solist auf historischen Traversflöten und einfühlsamer Begleiter im Bereich der historischen Aufführungspraxis international einen Namen gemacht. Andererseits ist er als auch als vielseitiger Improvisator und Komponist einer experimentell archaischen Musik in der aktuellen Musikszene Kölns aktiv. Regelmäßig komponiert Norbert Rodenkirchen auch Musik für TV Dokumentarfilme und fürs Theater. Er unterrichtet mittelalterliche Improvisation in Workshops und regelmäßigen Coachings an verschiedenen Musikhochschulen Europas, u.a. an der Schola Cantorum in Basel und am Mozarteum.
www.norbertrodenkirchen.de

 

Foto: Ute Dilger

 

Kalender 2017

GLÜCK, das mir verblieb

Freitag, 31. März 2017, 20:00 Uhr

In einer Zeit, in der weder Radio, noch CD noch iPod verfügbar waren, war die Motivation, sich die aktuelle Musik der Zeit nach Hause zu holen, selbstverständlich hoch. Und nachdem die bürgerliche Gesellschaft gegen den Adel auch kulturell immer weiter aufholte, gehörte schnell auch die Hausmusik zum guten Ton. Und spätestens ab Mitte des 19. Jahrhunderts gesellte sich zu Klavier und Streichinstrumenten noch ein weiteres Instrument, das den Salon wesentlich prägte: das Harmonium. Die reichen Valeurs und der volle Klang gaben auch kleinen Hausmusikensembles die Möglichkeit, ganz große Partituren vielschichtiger als früher wiederzugeben. Weltstar-Mezzosopran Iris Vermillion singt Wagners Wesendonck-Lieder und ausgewählte Opernszenen, begleitet vom Harmoniumquartett Le Quatuor Romantique und beschwört dabei eine Fin-de-Siecle-Atmosphäre, die im unvergleichlich schönen Lied der Marietta aus Erich Korngolds Oper „Die tote Stadt“ gipfelt: „Glück, das mir verblieb“.

 

Iris Vermillion feierte Ihren internationalen Durchbruch in Amsterdam als Dorabella und Cherubino unter Nikolaus Harnoncourt sowie bei den Salzburger Festspielen als Clairon (Capriccio). Seitdem ist sie regelmäßiger Gast der Staatsopern von Berlin, München, Wien und Dresden, an der Deutschen Oper Berlin und an der Mailänder Scala. Nach Mozart-Partien wie Sesto (La clemenza di Tito) oder Dorabella (Così fan tutte) ist sie inzwischen überwiegend in Opern von Strauss und von Wagner zu hören sowie in Werken wie Werther, Les Contes d’Hoffmann, Die Fledermaus sowie Lulu. Sie arbeitete mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Semyon Bychkov, Daniel Barenboim, Riccardo Chailly, Michael Gielen, Marek Janowski, Georges Prêtre, Helmut Rilling, Fabio Luisi, Giuseppe Sinopoli und Georg Solti zusammen. An der Semperoper Dresden war sie in der Titelpartie von Schoecks Penthesilea zu erleben, für die sie 2008 mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet wurde. Zu weiteren Gastengagements zählen u.a. Idamantes (Idomeneo) in der Bearbeitung von R. Strauss und L. Wallerstein an der Semperoper und bei den Salzburger Festspielen, Herodias (Salome) an der Münchner Staatsoper und am Teatro alla Scala, Tristan und Isolde konzertant unter Kurt Masur in Paris und am Teatro de la Maestranza in Sevilla sowie Venus in der Dresdner Fassung von Tannhäuser an der Oper Köln.

 

Foto: Robert Frankl