Musikjournalistischer Nachwuchs beim Festival

Montag, 19. März 2018

Unser Team hatte eine Idee. Es wäre doch schön, wir könnten junge Nachwuchsjournalisten ins Boot holen und zum Festival einladen, dachten wir im ZAMUS. Nicht nur der Blogger Workshop mit Stefan Grondelaers und unser ZAMUS Talk zum Thema Musikkritik wiesen darauf hin, sondern auch der Kontakt zu den Dozenten der TU Dortmund / Studiengang Musikjournalismus legte eine neue Kooperation nahe. Und so geschah es, dass wir drei junge Autorinnen für unser Festival begeistern konnten. Anna Chernomordik brachte sich mit spannenden Informationen zur Haltung junger MusikjournalistInnen im ZAMUS Talk am 13. März ein, Inga Trost und Carla Bangert besuchen insgesamt vier Konzerte und schreiben Rezensionen. Eine davon ist bereits erschienen auf terzwerk.de, der Plattform der Studierenden und Dozenten der Dortmunder Hochschule. Inga Trost konnten wir mit der Redaktion von Choices vernetzen und ihre Beiträge werden auch unter www.choices.de zu lesen sein. Wir freuen uns über diese neuen Kontakte und bedanken uns bei den beiden Autorinnen und bei Thilo Braun, der uns den Kontakt zu den Studierenden ermöglicht hat.

Carla Bangerts Rezension zum Klavierabend mit Olga Pashchenko kann man hier nachlesen:

http://www.terzwerk.de/olga-pashchenko/


Inga Trosts Texte zu den Konzerten „What a peaceful day“ und „Schütz Exequien“ lesen Sie hier.

Klatschen ist erlaubt!

Beim „Kölner Fest für Alte Musik” trat am Sonntagabend die Blockflötistin Dorothee Oberlinger mit Violinist und Countertenor Dmitri Sinkovsky in den BALLONI Hallen auf. Sie huldigten in der Musik der paradiesischen Landschaft Arkadiens.

Kaum hatte Dmitri Sinkovsky den Rhythmus der ersten Takte in den Boden getanzt, da war das unsichtbare Band zwischen den Musikern und dem Publikum schon hergestellt. Eine Spannung, die das ganze Konzert lang anhielt. Der Countertenor, Geiger und Dirigent Sinkovsy führte für einige Stücke das „Ensemble 1700“, das an diesem Abend vertreten war durch Mayumi Hirasaki an der zweiten Violine, Marco Testori am Cello und der Cembalistin Olga Watts. Sie entwickelten die Musik gemeinsam und so schien es, als würden die feinen Variationen in Dynamik, Tempi und Verzierungen erst in diesem Moment entstehen. Alle behielten permanent Kontakt zueinander und gaben sich der Musik hin. Konzentriert, zurückhaltend und ganz in Schwarz. Jäh unterbrach das nach dem ersten Stück der glänzend schimmernde Auftritt der Dorothee Oberlinger, die als eine der Stars dieses Festivals das erste Stück noch auf sich warten ließ und erst dann wie die Meisterin zu ihren Schülern kam. Doch der Eindruck verflüchtigte sich schnell. Denn kaum waren die ersten Stücke gespielt, da war die Einheit hergestellt. Da gab es keine glitzernden Starsolisten, sondern eine homogene Gruppe von exzellenten Musikern, die sich ganz ihrer Musik hingaben. Immer wieder wechselten sich Dorothee Oberlinger und Dmitri Sinkovsky mit der Führungs- und Solistenrolle je nach Musikstück ab.

Alltagsflucht zur Musik?

Die Musik bediente sich der barocken Naturthemen rund um das paradiesische Arkadien, das Maler und Dichter im Barock verklärten als einen Ort ohne Kummer und Schmerz. Dort suchten die Menschen in antiken Naturmotiven ihr Ebenbild. Dementsprechend wurden an diesem Abend Nymphen und Bäume besungen, tobten Stürme oder der Wahnsinn und ein Fink zwitscherte sein Lied. Die tobenden Winde schüttelte Sinkovsky als Countertenor aus der Hüfte heraus. Dramatischer Ausdruck, Leichtigkeit und Bodenhaftung waren dabei ausbalanciert. Oberlinger ließ den Fink hören, der zwitscherte, flatterte und trillerte. Überhaupt holte sie alle möglichen klanglichen Facetten aus den verschiedenen Flöten heraus. Dabei hüpfte sie, bewegte den ganzen Körper und wurde beim Spielen eins mit dem Instrument, mit der Musik.
Aber ist Arkadien heute wirklich attraktiv als Reiseziel für Realitätsflucht? Ist es statt der idyllischen Nymphenmotive nicht eher die Musik selbst, mit deren Freude, Glück und Wahnsinn eine Art Meditationszustand heraufbeschworen wird? Das Einswerden und im Moment sein. Die wechselhafte Musik fordert dabei Reaktionen geradezu heraus. Sinkovsky findet deshalb, es sei in Ordnung, wenn das Publikum lacht, klatscht oder seufzt. Obwohl anfangs ein Zuhörer noch durch einen anderen durch ein harsches Zischen zur Stille ermahnt wurde, gab es direkte Reaktionen am Ende auch während der Stücke. Das ist ebenfalls Teil jenes sogenannten Originalklangs, den die Musiker wie Dorothee Oberlinger und Dmitri Sinkovsky durch die historische Aufführungspraxis aufleben lassen.

 

 

 

Wie klingt das Jammertal?

Beim “Kölner Festival für Alte Musik” sang Emma Kirkby mit weiteren Solisten und Sängern des ZAMUS-Vokalconsorts tröstende Jenseitsmusik von Heinrich Schütz.

Die Friedenskirche in Köln Ehrenfeld war ausverkauft. Wahrscheinlich auch ihretwegen: Dame Emma Kirkby. Ihr Gesicht ist auf dem Plakat der diesjährigen Ausgabe des „Kölner Festival für Alte Musik” abgebildet. Sie wurde als Mitwirkende groß angekündigt, hat beim Festival drei Konzerte gegeben und ist eine Sängerin, bei der es sich immer lohnt, sie anzuhören, weil sie viel zu sagen hat. Trotzdem war sie an diesem Abend nicht der Mittelpunkt des Geschehens. Sie war Teil des Chores, der aus verschiedenen Solisten und den Sängern des ZAMUS-Vokalconsorts zusammengesetzt war. Mal sangen sie in kleiner Besetzung oder alle gemeinsam. Geleitet wurden sie dabei von Joachim Diessner.

Als Emma Kirkby in einer Reihe mit den anderen Sängern auf die Bühne ging, so war es nicht, als würde hier eine der größten Sängerinnen der Alten Musik laufen, die von Queen Elisabeth II. den Ritterschlag erhielt, sondern als wäre sie deine Patentante. Ihre Eleganz und ihre Zurückhaltung sind bewundernswert, ihre Stimme ist es auch. Dieses Konzert war ihr letztes, das sie bei dem Festival gab, bevor die 69-jährige Sängerin wieder nach England zurückkehrte. Im ersten Teil des Konzertes wurden verschiedene geistliche Werke von Heinrich Schütz und anderen Komponisten aus der Zeit gesungen und den zweiten Teil bildeten Schütz „Musikalischen Exequien“. Dabei war Emma Kirkby nicht die einzige Solistin. Es sangen neben anderen auch Bethany Seymour und Fabian Strotmann. Es war wunderbar ihnen bei ihren Solostellen zuzuhören. Und die hohe Qualität der einzelnen Solisten ließ einen sehr genau aufeinander abgestimmten und reichen Gesamtklang entstehen.

Die Stücke widmeten sich vor allem dem Thema Krieg und Frieden und stammten von Komponisten aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Sie erzählen von großer Not und noch mehr von der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tod. Das Programmheft in den Händen, erscheint es zäh, dem Text zu der Musik zu folgen, da er so weit weg erscheint von Kölner Lebensrealitäten heute. „Es ist allhier ein Jammertal, Angst, Not und Trübsal überall, des Bleibens ist ein kleine Zeit, voller Mühseligkeit, und wers bedenkt, ist immer im Streit”, sagt Schütz etwa in den „Musikalischen Exequien“. Die Texte der Stücke zeichnen einerseits düstere und schwere Bilder, aber erzählen andererseits auch von der Hoffnung auf Gottes Beistand durch den Glauben. Und jetzt die große Überraschung: Die Musik ist gar kein Sog in die Tiefe, sondern sie predigt oder besser sie verkörpert die pure Zuversicht darauf, dass sich das Hoffen auf das Jenseits auch wirklich lohnt. Vielleicht konnte gerade in diesem damaligen Jammertal die Musik so tröstend und überzeugt klingen. Für den musikalischen Leiter Joachim Diessner ist das „die schönste Musik“, die er sich vorstellen könne.

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