...Wie durch einen Spiegel

Montag, 1. April 2019

Das Mittelalterensemble Candens Lilium präsentiert Gesänge vom frühen bis zum späten Mittelalter und stellt diesen Werken moderne Improvisationen und Kompositionen für original mittelalterliche Instrumente gegenüber. Das Konzert wird ergänzt durch eine Multimediaprojektion im romanischen Kirchenraum von St. Cäcilien.


Konzert Candens Lilium am So, 7.4., 16 Uhr, Museum Schnütgen


zamus: Norbert, Euer Konzert heißt „... wie durch einen Spiegel / Ein Klangdialog zwischen Mittelalter und Heute“. Könntest Du bitte unserem Publikum erst einmal kurz erläutern, wie Ihr mit der mittelalterlichen Musik umgehen werdet? Gibt es eigentlich moderne Notenausgaben oder müsst Ihr für Eure Vorbereitungen in alten Manuskripten stöbern?


Norbert Rodenkirchen: Im Konzert wird es einerseits um die möglichst authentische Darbietung mittelalterlicher Musikwerke vom frühen bis zum späten Mittelalter gehen. Dieser Bogen deckt schon einen großen Zeitraum von mehr als sechs Jahrhunderten ab, von der karolingischen Zeit bis zur beginnenden Frührenaissance. Unser Programm besteht aus einer Folge wunderbarer Gesänge und Instrumentalweisen, teilweise auch aus der rheinisch mystischen Tradition. Diese rheinische Tradition ist ja eine unserer Spezialitäten. Vor 9 Jahren haben wir z.B. für den WDR die Musik des Antiphonars der Anna Hachenberch aus der Sammlung des Museums Schnütgen erstmalig aufgenommen und als CD bei marc aurel edition/Raumklang herausgebracht. Es geht bei solchen Projekten mit mittelalterlicher Musik ja immer auch um Musikforschung; vor allem um den Blick in alte Handschriften und die Transkription der alten Neumen in heutige Noten. Das ist eine Arbeit, die wir zum großen Teil selbst machen müssen und spezielles „know how“ erfordert. Ferner geht es um die möglichst stilgerechte Begleitung auf den damaligen Instrumenten Fidel, Rebec, Harfe, Citole und diverse mittelalterliche Traversflöten. Für dieses Programm konnten wir zudem die exzellente Sängerin Christine Mothes, eine sehr renommierte Spezialistin für mittelalterliche Musik gewinnen. Sie wird mit uns u.a. Musik von Notker Balbulus, Hildegard von Bingen, Hermann Joseph von Steinfeld, Josquin Desprez singen.


zamus: Und wie stellt sich für Euch das „Heute“ in dem Klangdialog zwischen dem Damals und unserer jetzigen Zeit dar?


N.R.: Ein anderer Schwerpunkt unserer Aufführungen liegt in der Begegnung zwischen mittelalterlichen und heutigen Klängen. Das hat sich vor allem bei der nun schon über fünfzehnjährigen Zusammenarbeit von Albrecht Maurer und mir ganz organisch entwickelt, da wir als Musiker auch im Bereich der Neuen Musik tätig sind, sowohl als Interpreten und Improvisatonen, aber teils auch mit unseren eigenen Kompositionen für archaische Instrumente. So lag es nahe, diese Dinge auch im Bereich der alten Musik zu verbinden. Für uns ist dieser Klangdialog kein künstlich herbeigeführter Stilmix sondern gehört zu unseren innersten künstlerischen Anliegen. Wir möchten teils mit alter Musik, teils mit eigener Neuer Musik einen archaischen Klangraum schaffen, der vielfältig verborgene Schichten enthält, welche die Imagination des Zuhörers anregen.


zamus: Und was bedeutet „... wie durch einen Spiegel“?


N.R.: Das poetische Bild stammt von Paulus, bzw später von Augustinus aufgegriffen und zitiert „Jetzt aber schauen wir wie durch einen Spiegel in einem Rätsel ...“ und ist einer der Texte einer modernen Kantate, welche ich 2017 über von Augustinus überlieferte Textfragmente in einer freitonal/freimodalen Tonsprache für mittelalterliche Instrumente komponiert habe. Diese Kantate wird neben den mittelalterlichen Werken zur Aufführung kommen, ebenso aber auch Albrecht Maurer´s Instrumentalstücke „Fadenspiel“, „Ruhe“ und Broken piece“. Ebenso wird mein experimenteller Versuch zur Aufführung kommen, in der Komposition „Voynich patterns“ einem bis heute nicht entschlüsselten Code einer mittelalterlichen Geheimschrift musikalisch auf die Schliche zu kommen. Dieser rätselhafte Code befindet sich im sogenannten Voynich Manuskript des frühen 14. Jh.s


zamus: Euer Konzert ist aber nicht ein reines Hörereignis. Was hat es mit der Multimedia Projektion auf sich?


N.R.: Der durchscheinende Spiegel bezieht sich aber auch auf die visuellen Aspekte unseres Konzerts. Allein der Ort selber ist Sensation pur, eben nicht nur wegen der herausragenden Akustik des romanischen Kirchenraums. Das Publikum wird relativ freibestuhlt zwischen den weltberühmten Skulpturen der Sammlung des Museums Schnütgen sitzen. Dort blicken uns einzigartig lebensechte Gesichter des 15.Jahrhunderts an. Und zusätzlich wird ein ganz besonderes optisches Kleinod präsentiert: seit Jahren fertigt der großartige belgische Bildhauer Peter Jacquemyn im Museum Schnütgen vielältige Skizzen der alten Holz-Skulpturen an, als Inspiration für seine eigenen Werke. Da wir uns gut kennen, hat er mir freundlicherweise erlaubt, Dutzende dieser von Skizzenblätter zur Grundlage einer im Hintergrund ablaufenden Multimedia Projektion zu verwenden. Mein Vater Theo Rodenkirchen, der früher ein überaus aktiver Diaporama Produzent war, hat die Bilder zu einer Projektionsfolge zusammengefasst und designed und wird das Ganze technisch vorort durchführen. Es ist also eine Zusammenarbeit auf vielen Ebenen. Außerdem bin ich sehr froh, dass ich an den Ort zurückkehren darf, an dem ich von 2003 bis 2011 künstlerischer Leiter der Reihe „Schnütgen Konzerte – Musik des Mittelalters“ war.
 

Foto: Norbert Rodenkirchen von Jana Jociv

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