„Wir legen einen Köder aus“: Georg Kroneis über Fetish Baroque

Mittwoch, 8. März 2017

In jeder Kunstform spiegeln sich Erotik und Leidenschaft. Starken Ausdruck finden sie vor allem in Musik und Tanz und ein spanisches Lexikon aus dem Jahr 1610 verbürgt, dass junge Männer in Frauenkleidung auf den Schultern anderer Männer bei barocker Live-Musik in Trance gerieten – sich regelrecht in den Wahnsinn tanzten. Ganz so extrem soll es zwar nicht zugehen bei Fetish Baroque am 27. März in der Volksbühne am Rudolfplatz, dafür ist das Programm nicht ganz jugendfrei und wird vom Veranstalter mit einer Altersbeschränkung belegt.

„Wir haben einen männlichen Stripper im Programm, der zu Vivaldis Folia tanzen wird. Deshalb haben wir das Konzert erst ab 16 Jahren freigegeben“, so Georg Kroneis, der federführend an der Produktion beteiligt ist. Der Grazer Musiker ist überzeugt davon, das das provokante Zur-Schau-Stellen barocker Sinnlichkeit auch klassikferne Anhänger der Fetisch-Szene begeistern wird. „Wir Musiker wollen zeigen, was wir drauf haben und wie großartig diese Musik ist und wir legen mit der Kombination der zwei Szenen einen Köder aus für die, die das noch nicht wissen.“

Gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Hell (Blockflöte und Cembalo) hat der Gambist eine äußerst illustre Musikertruppe in Lack und Leder zusammen gestellt. Darunter unter anderem ein Ungar aus Barcelona, zwei Italiener aus Brüssel und ein Franzose aus Paris. Und natürlich Marie Friederike Schöder, Koloratursopranistin und weibliche Idealbesetzung für diese Produktion. Nicht nur weil sie die virtuosesten Arien singen kann, sondern auch weil sie Poledance beherrscht – ein sinnlicher Tanz an der Stange, der die barocke Show auf ungewöhnliche Weise abrundet.

„In Köln hat man einen starken Bezug zum anderen Ich“, so Kroneis, für den Fetish Baroque viel mehr als ein skurriles Abenteuer ist. „Wir setzen das, was der Funktion der ausgewählten Musik entspricht auf zeitgemäße Weise um und machen eben das, worauf wir im Jahr 2017 Lust haben.“ Denkt man an die handgreifliche Erotik eines Casanova, relativiert sich der erste Eindruck, den manch einer bei Fetish Baroque zunächst gewinnen mag. Auch barocke Feste und Opernaufführungen waren sinnliche Events und so will die Lederszene auch das konservative Publikum ein bisschen aufmischen und in Richtung gegenseitigem Verständnisses vermitteln. „Fetish Baroque ist keine geschlossene Veranstaltung!“, das ist Georg Kroneis ganz wichtig und er ist sehr glücklich darüber, dass die Volksbühne einen Raum für die burleske Veranstaltung bietet, die schon länger in seinem Kopf herum schwirrte. Das musikalische Programm ist so aufregend wie die Inszenierung und Kroneis ist sich sicher, dass es alle „Klassik-Anfänger“ komplett begeistern wird. Ein neuer Köder für die Alte Musik.

 

Fetish Baroque – Die etwas andere Barockmusikshow
27. März, 20 Uhr

Volksbühne am Rudolfplatz
Marie Friederike Schöder, Sopran
Fetish Baroque Orchestra
Moderation: Thorsten Buhl
Tickets: 0221 – 98747379 und tickets@zamus.de

 

 

Programm:

Arcangelo Corelli (1653 – 1713)
Concerto grosso IV da chiesa D-Dur
aus CONCERTI GROSSI Con duoi Violini e Violoncello di Concertino obligati e duoi altri Violini, Viola e Basso di Concerto Grosso ad arbitrio, che si potranno radoppiare … OPERA SESTA. Parte Prima & Parte Seconda (Amsterdam, 1714)

Georg Friedrich Händel (1685 – 1759)
Aria der Almirena „Lascia ch’io pianga“ F-Dur aus Rinaldo HWV 7a (London, 1711) für Sopran, Streicher und Basso continuo

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) aus Concerto V f-Moll BWV 1056 für Cembalo und Streicher

Georg Friedrich Händel
Aria der Galatea „Hush, ye pretty warbling quire!“ F-Dur aus Acis and Galatea HWV 49 (London, 1718) für Sopran, Sopraninoblockflöte, zwei Violinen und Basso continuo (Violoncello und Theorbe)

Antonio Vivaldi (1678 – 1741)
Aria des Farnace „Gelido in ogni vena“ c-Moll aus Farnace RV 711 (Venedig, 1727) für Sopran, Streicher und Basso continuo

Antonio Vivaldi
Folia d-Moll op. 1 Nr. 12 RV 63 aus Suonate da Camera a Tre Due Violini e Violone o Cembalo (Amsterdam, um 1715) für zwei Violinen und Basso continuo (Tutti)

Antonio Vivaldi
Aria der Costanza „Agitata da due venti“ B-Dur aus La Griselda RV 718 (Venedig, 1735) für Sopran, Streicher und Basso continuo

Antonio Vivaldi
Concerto per Flautino G-Dur RV 443 für Sopranblockflöte, Streicher und Basso continuo

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