Musiker der KGAM e.V.

Zamus Blog

JEDER AUGENBLICK - EINE ENTSCHEIDUNG

Ein Interview mit Davit Melkonyan und Evgeny Sviridov zur Neugründung des Orchēstra Kairos

DIE VERSION VON BACH IST BESTIMMT GANZ AHNLICH GEWESEN

Ein Interview mit Thomas Neuhoff, Künstlerischer Leiter des Bach-Vereins Köln

Das Programm für unseren MUSIC. MY LOVE-Marathon ist online

Im ganzen Stadtzentrum wird an diesem Tag Alte Musik erklingen!

Ein neues Team stellt sich vor

Die Kölner Gesellschaft für Alte Musik e.V. präsentiert ihr renommiertes Festival diesmal mit einem neuen Leitungsteam und vielen neuen Programmschwerpunkten.

Kalender 2019

MISSA PRO DEFUNCTIS

Freitag, 5. April 2019, 20:15 Uhr

In seinem Requiem verbindet ­Johann­ Rosenmüller venezianische Klangpracht mit deutscher Kontrapunktik. Wie viele andere Komponisten des 17. Jahrhunderts hat auch Rosenmüller kein vollständiges Requiem komponiert, sondern nur die Messteile Kyrie, Agnus Dei und Dies Irae. Mehrstimmige Vertonungen aus dem 16. Jahrhundert oder, wie in diesem Konzert, gregorianische Choräle ersetzen die übrigen Teile. Die Choräle bilden mit ihren klaren Linien einen starken Kontrast zu Rosenmüllers spannungsgeladenen Harmonien.

Roland Wilson hat Musica Fiata ursprünglich als Ensemble für Posaunen und Zinken gegründet, erweiterte die Gruppe aber bald um Streich- instrumente und Continuo. Ein ausführliches Studium der Quellen zur Aufführungspraxis, der originalen Instrumente dieser Epoche und ihrer Spieltechniken führte zur Entwicklung einer sprechenden Spielweise und eines charakteristischen Klanges. Aufgrund ihrer aufregenden und virtuosen Aufführungen spielt Musica Fiata auf Festivals in ganz Europa. Zusammen mit dem Vokalensemble Capella Ducale, das 1992 von Wilson gegründet wurde, bewahrt es auch bei höchster klanglicher Komplexität stets eine Einheit und ein durchsichtiges Klangbild.

Foto Roland Wilson / Fotograf Eberhard Zummach

ZAMUS NACHGEFRAGT

Samstag, 6. April 2019, 18:30 Uhr

Für die MusikerInnen des Barock war es eine Auszeichnung, kopiert zu werden. Sie hätten in der Copyright-Kultur der jüngeren Vergangenheit ihre Not mit dem Gesetz gehabt.

Die Köthener Trauermusik bietet das beste Beispiel dieses sogenannten Parodieverfahrens, weil sie Teile von zwei Werken, die uns heute als Matthäus-Passion und Trauerode überliefert sind, kombiniert. Die Musik kennt jeder, der Text ist allerdings ein Anderer.

Wie ist Bach bei der Köthener Trauermusik vorgegangen? Hat er mehr gemacht als nur Copy/Paste?
Darüber diskutieren Norbert Bolin, Peter Wollny und Christoph Spering.
Peter Wollny ist Leiter das Bacharchivs Leipzig, studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Musikwissenschaft an der Harvard University.

Norbert Bolin ist Autor, Redakteur, Produzent und Regisseur verschiedener Rundfunkanstalten der ARD und Operndramaturg. Außerdem war er wissenschaftlicher Leiter der Bach-Akademie Stuttgart. Christoph Spering, Dirigent, Forscher und Leiter Fest für Alte Musik Köln komplettiert als Spezialist für historische Aufführungspraxis die Runde.

Bild: Prof. Dr. Peter Wollny Fotograf Bach-Archiv Leipzig

KLAGT, KINDER, KLAGT ES ALLER WELT

Samstag, 6. April 2019, 20:00 Uhr

Köthener Trauermusik BWV 244a von Johann Sebastian Bach
– in der Rekonstruktion von Alexander Grychtolik

Obwohl Johann Sebastian Bach 1729 schon sechs Jahre lang Thomaskantor in Leipzig war, komponierte er immer wieder als Kapellmeister von Hause aus für den Köthener Hof. Deshalb zögerte er nicht lange, als die Nachricht vom Tod des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen eintraf, und schrieb anlässlich der Begräbnisfeier die Kantate Klagt, Kinder, klagt es aller Welt, die uns heute als Köthener Trauermusik überliefert ist.

Synchron zu den vier Phasen der Trauer, teilt Bach die Gedächtnis- musik in die Abschnitte Landestrauer, Tod und Erlösung, Würdigung, Trost und Abschied. Das Libretto lieferte sein literarischer Mitstreiter Picander.
Da von der Köthener Trauermusik nur das Libretto von Picander, nicht aber die Musik von Bach übermittelt ist, existieren zu diesem Werk mehrere Rekonstruktionen, die sich an der Matthäuspassion und der ­Trauerode BWV 198 orientieren. Thomas Neuhoff hat sich für die Rekonstruktion von Alexander Grychtolik entschieden. Zusammen mit Concerto con Anima und dem Kammerchor des Bach-Vereins Köln spürt er der schlichten Einfachheit von Bachs Musik nach.

Thomas Neuhoff, Künstlerischer Leiter des Bach-Vereins Köln, und das Orchester Concerto con Anima, sind langjährige Mitglieder des zamus.

Foto: Martin Füg

permutations/generations (PREMIERE)

Samstag, 6. April 2019, 22:00 Uhr

Schläft ein Lied in allen Dingen – die berühmten Zeilen von Joseph von Eichendorff aus dem Jahr 1835 können noch heute als Grundannahme für Improvisation verstanden werden.

Vater und Sohn: Michael Niesemann und sein Sohn Pablo Giw durchwandern zusammen mit Philip Zoubek in einem musikalischen Streifzug die Musikgeschichte.

Der Background des Trios könnte nicht unterschiedlicher sein: Niesemann ist Gründungsmitglied von Concerto Köln und Solo-Oboist bei John Eliot Gardiner; Giw – Trompeter und Elektronikexperimentalist – kombiniert immer wieder Genres wie Noise und Neo Soul mit performativen Elementen; und Zoubek ist nicht nur Jazz-Pianist, sondern auch Komponist. Zusammen improvisieren, kombinieren, assoziieren und kreieren sie einzigartige Klangwelten.

In dieser Premiere in der Friedenskirche, der ältesten evangelischen Kirche auf Kölner Boden, werden musikalische Bausteine, Phrasen oder Patterns in klanglichem Dialog verarbeitet und neu definiert. Inspiration bieten neue Improvisationsmusik, Minimalismus und Alte Musik. Stets kreisen die Musiker um die Frage: Sind das Alte und das Neue vielleicht einfach nur eine jeweils andere Kombination derselben Teile, eine Permutation?

Foto: Pablo Giw / Fotograf Andreas Wohlgemuth