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Focus baroque

Focus baroque – eine estnisch deutsche Begegnung


Es gibt viel Musik in Estland. Aber nur wenige Cembalistinnen. Irén Lill aus Tallin wollte es wissen und überraschte ihre Klavierprofessorin an der dortigen Hochschule nach dem Examen mit dem Entschluss, nach Köln zu gehen, um das Klavierstudium mit einem Studium der Alten Musik zu ergänzen. Auf ihrer Suche nach einem Duopartner für ihr Cembalo-Examen stieß sie auf den Gambisten Holger Faust-Peters, der genau wie Irén zunächst das klassische Instrument - das Cello - erlernt hatte bevor er auf die Gambe umstieg. Durch ihre Arbeit am Programm merkten die Estin und der Kölner, dass es zwischen ihnen eine gemeinsame musikalische Sprache gab, die sie gerne weiter sprechen wollten. Sie gründeten 2004 das Duo focus baroque.


Holger Faust-Peters kommt ins Schwärmen - nicht nur wenn er von Estland spricht, wo das Duo regelmäßig zu Gast ist, sondern vor allem wenn’s um die Gambe geht. Sein Instrument fristet als Solo-Instrument immer noch ein Schattendasein, und das zu ändern tritt er an. Aus dem langen Zeitraum, in dem die Gambe eine tragende Rolle spielte, konzentriert sich das Duo auf die Repertoirestücke sowie Raritäten aus Barock und Galantem Stil. Mit dem estnischen Rundfunk hat focus baroque zwei wunderbare CDs produziert, auf denen selten gehörte Meisterwerke der Gambenliteratur aus Deutschland und Frankreich zu hören sind. Die frühere Gambenmusik, größtenteils polyphone mehrstimmige Musik, spielt Holger Faust-Peters auf seinen Renaissancegamben, u.a. im Gambenconsort pellegrino.

 Im Familienprogramm „Der König bittet zum Tanz“ (mit der Tänzerin Mareike Greb) spielt das Duo mit der Idee, dass Künstler aus verschiedenen Epochen sich nicht verstehen, weil ihre Sprache so unterschiedlich ist. Aus dem vermeintlichen Streit wird aber Wohlklang, der dem Publikum die historischen Instrumente nahe bringt und für ihre Klangfarben sensibilisiert. Dies zu erreichen, ist stets ein Anliegen der beiden Musiker, die das Publikum auch in allen anderen Programmen mit ansprechenden Moderationen begeistern und so die Vergangenheit zum Leben erwecken.

 

Text: Christina v. Richthofen
 

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Foto: Mait Jüriado

 

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