Übersicht
Musiker

Puliaev, Alexander (Cembalo & Klavier)

Die Pflege der Langsamkeit - Alexander Puliaev


Für Beethoven muss man als Musiker reifen wie ein guter Wein, sagt Alexander Puliaev, einer der wenigen Pianisten, die Beethovens Solo-Sonaten auf dem Hammerflügel eingespielt haben - und dies bewusst erst spät in seiner musikalischen Laufbahn. Dass er als hochbegabtes Kind geboren ist und in seiner Heimatstadt St. Petersburg bereits mit elf Jahren Beethoven spielen musste, empfindet Alexander Puliaev im Rückblick eher als Verzögerung seiner musikalischen Entwicklung denn als Beschleunigung. Insgesamt scheint zu schnelles, unbedachtes Handeln ihm zuwider, und er legt Wert auf Reflexion, Gewissenhaftigkeit und Konsequenz. Warum soll man Mozart auf modernen Instrumenten spielen, wenn es historische gibt? Aus Puliaev spricht nicht nur Pragmatismus, sondern auch eine über viele Jahre gewachsene Überzeugung. Als einer der ersten russischen Pianisten ging er in den 90er Jahren in den Westen, um Cembalo zu studieren. Kein Geringerer als Gustav Leonhardt sorgte dafür, dass er ein geeignetes Instrument geschenkt bekam. Neben seiner Tätigkeit als Cembalist in verschiedenen Ensembles ist ihm das Solospiel und die Pflege der Kammermusik extrem wichtig. Man verliert sich selbst, wenn man ausschließlich als Continuospieler unterwegs ist, sagt Puliaev, und Klavier-Soloabende gehören für ihn zu den schönsten Momenten im Leben.

Text: Christina v. Richthofen
 

 

Musiker der KGAM e.V.